Panikattacke

Posted by on Sep 9, 2014 in Allgemein | Keine Kommentare

Wer eine Panikattacke hat, ist arm. Nicht nur, dass man vor lauter Angst halb in Ohnmacht fällt, sondern man wird meist nicht einmal richtig ernst genommen. Ein Psychiater könnte helfen, aber wer geht schon gerne zum Psychiater? Ein von Panikattacken geplagter Freund des ballesterer und des Fußballs meinte neulich beim Treffen mit dem Team der Notfallambulanz, dass er einmal etwas über die Panikattacke lesen möchte. Hinter seinem Wunsch liege sowohl ein persönliches als auch ein soziales Interesse. Er gehe nämlich davon aus, dass nicht nur er als Zuschauer sondern auch Fußballer an Panikattacken leiden. Da hat er nicht unrecht. Psychische Beschwerden treten bei Spitzensportlern genau so häufig auf wie in der restlichen Bevölkerung – auch wenn landläufig die Meinung vorherrscht, dass Sportler psychisch ganz besonders gesund sein müssten. Der Psychiater und das Weihwasser Wie viele Fußballer genau an Panikattacken leiden, weiß man nicht, psychiatrische Studien sind bei Fußballern nur schwer durchzuführen, denn Kicker scheuen den Psychiater in der Regel wie der Teufel das Weihwasser. Was eine Panikattacke genau ist, beschreibt der ballesterer-Freund ganz typisch: Urplötzlich, ohne Vorankündigung und vollkommen unabhängig von der jeweiligen Situation überfalle ihn eine starke Angst. Dies gehe so weit, dass er glaube, er falle nun augenblicklich tot um oder zumindest in Ohnmacht. Sein Herz rase wie wild, seine Hände würde zittern, er verspüre Schmerzen in der Brust wie bei einem Herzinfarkt, außerdem sei ihm schwindlig. Er ist damit nicht allein, ungefähr 20 Prozent der Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Panikattacke. Treten Panikattacken häufiger auf, spricht man von einer Panikstörung, an der etwa drei Prozent der Menschen erkranken. Sport gegen Panik Da die körperlichen Untersuchungen meist den Befund ergeben, dass alles in Ordnung ist, fühlen sich Menschen mit Panikattacken meist nicht ernst genommen. „Wenn ich zum Arzt gehe, werde ich nur abgeschaselt“, klagt unser Freund. Es ist nach einer allgemeinen körperlichen Durchuntersuchung aber auch nicht nötig, bei jeder Panikattacke die Rettung zu rufen. Denn: Eine Panikattacke überlebt man immer. Auch wenn es sich in dem Moment anders anfühlt. Wichtiger als der Notarzt ist der Psychiater. Dieser kann die Diagnose stellen und eine entsprechende Therapie einleiten. Er entscheidet, ob man ein Medikament braucht oder eine Psychotherapie oder beides. Ein Fußballer geht am besten zu einem Sportpsychiater, dieser hat neben dem psychiatrischen auch sportspezifischen Sachverstand und ist auf solche Fälle spezialisiert. Das Team der Notfallambulanz hat dem sportinteressierten aber leider völlig unsportlichen Freund dann neben einem Psychiaterbesuch auch regelmäßige Bewegung empfohlen, die bei Panikattacken erwiesenermaßen hilft. Worauf der Freund zurückhaltend meinte, er wollte nur etwas darüber lesen und nicht gleich etwas dagegen tun. (Dieser Text ist auch im ballesterer...

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Sportsucht

Posted by on Sep 1, 2014 in Allgemein | Keine Kommentare

Wie nach Zigaretten, Bier und Heroin können Menschen eine Sucht entwickeln Sport zu betreiben. Dafür kommt vor allem der Langstreckenlauf und der Kraftsport in Frage – Fußball eher seltener. Man kann nach allem süchtig werden. Die sogenannten stoffgebundenen Süchte wie Tabletten-, Alkohol-, Heroin-, Kokain- und Nikotinsucht sind wohl bekannt und irgendwie einleuchtend. Die stoffungebundenen Süchte, also Suchtverhalten ohne dafür eine Substanz zu konsumieren sind schon irgendwie unbegreiflicher. Vertreter dieser Kategorie sind Internetsucht und Spielsucht, auch die Sportsucht fällt darunter. Unter der Sportsucht versteht man ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang Sport zu betreiben. Der Sport wird auch dann fortgeführt wenn es bereits zu eindeutigen schädlichen Folgen gekommen ist. So beschrieb bei der Sportpsychiatrietagung im September in Berlin Prof. Bär Karl-Jürgen eine Patientin die trotz bekannter Stressfraktur im Mittelfuß weiter ihre täglichen 15-20 Kilometer gelaufen ist. Außerdem kommt es bei der Sportsucht zu einer starken Vernachlässigung von anderen Interessen, der Familie und des Berufs. Die Menschen ordnen dem Sport alles unter. „Der Sport hat völlig die Person übernommen“, so Prof. Bär von der Universitätsklinik Jena. Wird der Sport nicht mehr ausgeübt zeigen sich körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, aggressives Verhalten oder Unruhe. 1970 wurde die Sportsucht erstmals beschrieben. Es lässt sich zwischen einer primären und einer sekundären Sportsucht unterscheiden. Als sekundär versteht man das Auftreten von sportsüchtigem Verhalten im Rahmen einer anderen Störung. Etwa Menschen die an Magersucht leiden betreiben häufig exzessiv Sport zur Gewichtsreduzierung. Man geht davon aus, dass etwa 3-4% der Gesamtbevölkerung gefährdet ist eine Sportsucht zu entwickeln, diesbezüglich gibt es keine Geschlechtsunterschiede, sehr wohl aber in der Sportart die ausgeübt wird. Während Männer häufig in die Kraftkammer gehen und ihre Muskeln aufbauen, gehen Frauen Langstreckenlaufen. Wie bei anderen Süchten gibt es bis zur Entwicklung einer Abhängigkeit einen Verlauf. Es beginnt mit vermehrter Zuwendung zum Sport, darauf folgt eine Phase in der Sport als schädlich oder gefährdend eingestuft werden kann bis hin zum Kontrollverlust und Zwang Sport zu betreiben. Sportsucht ist ein Begriff der bei vielen recht positiv besetzt ist. Sport ist gesund und wer Sport betreibt schaut auf seine Gesundheit, so die landläufige und sicher richtige Haltung. Freilich kommt es auch beim Sport auf die Dosis an. Patienten die an Sportsucht erkrankt sind, wissen im Gegensatz zum Nikotinabhängigen oder Alkoholabhängigen nicht, dass sie mit ihrem Verhalten dem Körper schaden. Aufklärung ist hier wichtig. Beim Fußballer verhält es sich meist ein bisserl anders. So mancher Kicker vertraut mehr auf seine Technik oder sein Stellungsspiel und vernachlässigt das Laufspiel. Den meisten Kickern hierzulande kann man daher mitgeben, dass ein bisserl mehr Bewegung noch keinem geschadet hat. (Dieser Artikel ist auch im Fußballmagazin ballesterer...

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Aberglaube

Posted by on Sep 1, 2014 in Allgemein | Keine Kommentare

Der Fußballplatz ist ein Ort des Aberglaubens. Seit jeher werden Utensilien wie Weihwasser und Statuen der Jungfrau Maria aufs Spielfeld mitgenommen. Hier erfahren Sie, welcher Sinn dahinterstecken könnte. Der Löw Jogi war bei der Weltmeisterschaft 2010 nicht ohne seinen feschen blauen Kaschmirpullover anzutreffen – definitiv ein passendes Weihnachtsgeschenk für den modebewussten Herrn. Der Magath Felix trug als Bundesliga-Trainer einmal elf Spiele in Folge dieselbe Krawatte und der Domenech Raymond warf zunächst einen Blick in die Sterne, ehe er die Aufstellung der französischen Nationalmannschaft bekanntgab. Die Berechenbarkeit des Unberechenbaren Ein Fußballspiel mag spannend oder fad, hochklassig oder grottenschlecht, erfreulich oder traurig sein; eines ist ein Spiel aber sicher nicht: vorhersehbar. Der Aberglaube gibt einem die Illusion, Einfluss auf das Spiel nehmen zu können. Es ist schwer, völlig machtlos ein Spiel seiner Mannschaft verfolgen zu müssen. Der Aberglaube kann helfen, diese Hilflosigkeit auszuhalten. Durch abergläubische Rituale steigt das Gefühl der Beeinflussbarkeit von Dingen, die nicht beeinflussbar sind. Ein Rapid-Fan berichtete , dass er in dieser Saison jedes Auswärtsmatch in seiner „magischen Unterhose“ auf seiner „magischen Couch“ vor seinem Fernseher verfolge, um der Mannschaft so Glück zu bringen. Es geht um die Berechenbarkeit des Unberechenbaren. Giovanni Trapattoni vertraut dafür auf Weihwasser. Dieses lässt sich der Italiener von seiner Schwester, einer katholischen Ordensfrau, zukommen und weiht damit regelmäßig das Spielfeld. Das mag lächerlich klingen, aber keiner ist frei von Aberglauben. Dieser hat sich längst in den Alltag und Sprachgebrauch integriert. Wenn wir jemandem die Daumen drücken, halten wir dabei Dämonen fest, die schlechten Einfluss ausüben könnten. Der Ausspruch „toi, toi, toi“ beruht auf einem Gegenzauber, um den Neid böser Geister abzuwenden. Aberglaube hilft bei Kontrollverlust Nicht einmal Mediziner, die als Naturwissenschaftler oft mit Objektivität überzeugen wollen, sind vor Aberglauben gefeit. Der promovierte Mediziner Billardo Carlos untersagte während des Trainingslagers der argentinischen Nationalmannschaft den Spielern den Verzehr von Geflügel. Er war der Überzeugung, dass dies Unglück bringe. Außerdem ging der Argentinier nie ohne eine kleine Statue der Heiligen Jungfrau Maria auf den Platz. Der Erfolg gab ihm scheinbar recht, Argentinien wurde unter seiner Führung 1986 Weltmeister und 1990 Vizeweltmeister. Genau um diese einfachen linearen Zusammenhänge dreht sich abergläubisches Denken: „Trage ich diese Unterhose, gewinnt Rapid.“ Bei drohendem Kontrollverlust hilft der Aberglaube, die Welt verständlich und vorhersehbar erscheinen zu lassen. Vorhersagen lässt sich freilich auch nicht, ob einem das Christkind einen feinen Kaschmirpullover unter den Weihnachtsbaum legt. Ich wünsche es ihnen jedenfalls aus ganzem Herzen und drückt ihnen dafür ganz fest die Daumen. (Dieser Artikel ist auch im Fußballmagazin ballesterer...

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Kopfverletzung im Fußball

Posted by on Sep 1, 2014 in Allgemein | Keine Kommentare

Die englische FA hat als erster Fußballverband die richtigen Lehren aus der abgelaufenen WM gezogen: Bei Kopfverletzungen mit Bewusstseinsverlust darf nicht weitergespielt werden. Der Rest der Welt diskutiert noch – hoffentlich nicht zu lange. Bei der WM bekamen manche Mannschaften kräftig auf die Nuss: die Italiener und Spanier zum Beispiel, die Engländer traditionell, auch die Brasilianer wurden zumindest metaphorisch abgewatscht. Abseits von jeder Metapher steckten der Deutsche Kramer Christoph, der Uruguayer Perreira Alvaro und der Argentinier Mascherano Javier richtig ein. Perreira spielte nach einer Bewusstlosigkeit weiter, er widersetzte sich der vom Teamarzt empfohlenen Auswechslung. Eine Entscheidung, die er nach einer Gehirnerschütterung gar nicht selber treffen kann. In einem Spital wäre es zumindest so. Auf dem Fußballplatz sind die Regeln anders, und das ist schlecht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das ernsthafte, also tödliche Folgen haben wird. Dem US-Abgeordneten Pascrell Bill ist das klar. Er schrieb dem Blatter Sepp einen Brief, in dem er ihn aufforderte, Kopfverletzungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Kein Spiel ist so wichtig.“ Wer Spielern die Entscheidung, ob sie nach einem Zusammenstoß weiterspielen, überlässt, nimmt schwere Schäden billigend in Kauf. Etwa durch ein Post Concussion Syndrom (PCS), das bereits nach einer relativ leichten Kopfverletzung auftreten kann und zu monatelangen neuropsychiatrischen Beschwerden führt. Chronische Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Müdigkeit, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit sind einige der Beschwerden, über die Menschen mit einem PCS berichten. Viele sind dadurch über Monate arbeitsunfähig. Man muss kein Arzt sein, um zu wissen, dass ein Fußballer der im WM-Finale den Referee fragt: „Schiri, ist das das Finale?“, nicht mehr Leistungssport betreiben kann. Kramer wurde, wenn auch viel zu spät, ausgetauscht. Aber es braucht einen unabhängigen Experten an der Seitenlinie, der in einem solchen Fall die Entscheidung trifft, ob der Spieler weitermachen darf. Ähnlich wie im Boxsport. Der Teamarzt kann das nicht leisten, er ist, wie der Name schon sagt, Teil des Teams und vertritt somit eindeutige Interessen. Die von FIFA-Medizinchef D’Hooghe Michel angestoßene Diskussion um einen vierten Wechselspieler geht an der Sache vorbei. Dadurch wären Kramer, Perreira oder Mascherano keine Minute schneller vom Platz gekommen. Immerhin die FA, der englische Verband, hat reagiert und die Richtlinien bei Kopfverletzungen geändert. So darf ein Kicker sechs Tage nicht spielen, wenn er wegen einer Kopfverletzung das Bewusstsein verloren oder eine Gehirnerschütterung erlitten hat. Die FA startet zudem eine Kampagne, um die Spieler über die Gefahren von Kopfverletzungen aufzuklären. Der englische Fußball wird bei der nächsten WM dadurch nicht besser werden, eine gute Entscheidung für die Zukunft des Fußballs hat die FA dennoch getroffen. (Dieser Artikel ist auch im Fußballmagazin ballesterer...

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Bore Out und Depression

Posted by on Feb 5, 2013 in Allgemein | Keine Kommentare

Wer in seiner Arbeit keine Herausforderung hat, ist nicht zu beneiden. Langeweile, Desinteresse und Unterforderung im Job können krank machen. Boreout nennt man dieses Phänomen, das sogar zu Depressionen führen kann. Helmut Qualtinger war seiner Zeit wieder einmal voraus. Im Lied „Weil ma so fad is“ klagte er über den Zustand der Langeweile, noch ehe die Schweizer Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter Werder in ihrem Buch „Diagnose Boreout“ im Jahr 2007 den neuen Begriff kreierten. Boreout leitet sich von den englischen Wörtern „to bore“ (sich langweilen) und „out“ (außen) ab. Rothlin und Werder konstruierten diese „Erkrankung“ auf der Grundlage zweier Studien: 2004 untersuchte das Gallup Institut über 1.800 Arbeitnehmer in Deutschland. Man fand heraus, dass 87 Prozent aller Beschäftigten sich nur gering oder gar nicht an ihr Unternehmen gebunden fühlten. Eine amerikanische Untersuchung unter 10.044 Arbeitnehmern belegte, dass 33,2 Prozent der Befragten angaben, sie hätten bei der Arbeit nicht genug zu tun und würden 2,09 Stunden ihres Acht-Stunden-Arbeitstages mit Internet surfen und anderen privaten Erledigungen verbringen. Frei nach dem Qualtinger-Motto: „Was kann denn i dafür, dass i a so vü Zeit hab? I hab nix zan man! Was kann denn i dafür, dass i mit nix a Freud hab? Da kriagst an Zum.“ Qualtinger und sein kongenialer Partner Gerhard Bronner erkannten bereits in den 1960 Jahren, dass Langeweile und Unterforderung Freudlosigkeit und Aggressionen mitunter Depressionen verursachen können. Früher noch, nämlich im Jahr 1908, beschrieben Robert Yerkes und John D. Dodson im Yerkes-Dodson-Gesetz, dass der Mensch sowohl bei Unterforderung als auch bei Überforderung unter seinen Leistungsmöglichkeiten bleibt. Wie viele Menschen wirklich ein Boreout haben, ist schwer zu sagen. Der Psychologe und Organisationsberater Dr. Wolfgang Beiglböck meint: „Das Boreout kommt selten, aber doch vor. Wirklich gute Zahlen gibt es dazu nicht.“ Jemanden, der in der Arbeit nicht arbeitet, von vornherein als faul zu bezeichnen, wäre jedoch falsch. Arbeitnehmer, die an Boreout leiden, sind vielmehr faul gemacht worden oder schlichtweg unterfordert. Was zu Depressionen führen kann. Unterforderung kommt zustande, wenn die persönliche Kompetenz und Leistungsfähigkeit mit den Anforderungen der Arbeitsstelle nicht zusammenpassen. Betroffen seien etwa Menschen, deren Job abgeschafft wurde, aber deren Arbeitsplatz erhalten blieb, sagt Beiglböck. In diesem Fall spricht man von einer quantitativen Unterforderung, das heißt, es ist schlicht keine Arbeit vorhanden oder nur so viel, dass man in kurzer Zeit die Arbeit erledigt hat. „Nicht nur Leute, die nichts mehr zu tun haben, sondern vor allem Menschen, die qualitativ unterfordert sind, können ein Boreout bekommen“, sagt Beiglböck. Bei einer qualitativen Unterforderung könnte der Arbeiter mehr Verantwortung übernehmen bzw. höher qualifizierte Aufgaben erfüllen als ihm zugetragen werden. Dies betrifft oftmals Leute im Management, die bezüglich ihrer Aufstiegs- möglichkeiten in ihrer Firma den Plafond erreicht haben und ausFolge der Langeweile in...

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