Trauma und Folge

Posted by on Mai 18, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Wer nach einem Bombenanschlag ein Spiel ansetzt, hat wirklich keine Ahnung. „We care about football“ lautet der Slogan der UEFA. Das ist lächerlich. Einige Tage nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB am 11. April waren vermehrt Stimmen zu vernehmen, die sagten: „Die Spieler müssen die Bilder so schnell wie möglich aus ihren Köpfen bekommen.“ Richtigerweise wurden Experten engagiert, die dabei helfen sollen. Eine klare Fehlentscheidung war jedoch der Beschluss der UEFA, das Viertelfinalspiel am Tag nach dem Bombenattentat neu anzusetzen. Unfassbar. Unerklärlich. Die Gründe dafür dürften – wie die Gründe, die hinter dem Anschlag steckten – etwas mit Geld zu tun haben. STABILITÄT UND RUHE Als Psychiater hat man einen anderen Zugang. Zunächst und in erster Linie hätte es darum gehen müssen, für die Betroffenen ein sicheres inneres und äußeres Umfeld herzustellen. Ihnen müssen in einer solchen Situation stabile Menschen zur Seite gestellt werden, die Ruhe und Sicherheit ausstrahlen und nicht selbst mitweinen. Das können Freunde, Familienangehörige oder professionelle Helfer sein. Betroffene eines Anschlags müssen auch Sachinformationen über mögliche auftretende psychiatrische Symptome erhalten, damit sie darauf vorbereitet sind und diese als normale Reaktion verstehen können. Typische Anzeichen können Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen, Ängste, Wut, Ärger und Feindseligkeit sein. Typischerweise zeigen sich die Auswirkungen in wechselnder und gemischter Form. Meist beginnend mit einer Art Betäubung, eingeschränkter Aufmerksamkeit, sozialem Rückzug, starker Trauer, Desorientierung bis hin zu einer unangemessenen und sinnlosen Überaktivität. Besonders in den ersten Stunden bis etwa zwei Tage nach einem traumatischen Ereignis ist mit solchen Symptomen zu rechnen. Daher hätte das Spiel nie und nimmer in diesem Zeitfenster stattfinden dürfen. Ruhe und Abschirmen von der Öffentlichkeit wären angesagt gewesen. TRAUMA UND FOLGEN Im Fall des Dortmunder Anschlags kann man von einem Trauma sprechen. Ein Trauma ist definitionsgemäß ein äußerliches Ereignis mit lebensbedrohlicher Gefährdung der Person. Jedes Trauma führt zu einer Erschütterung des Beteiligten und hat unmittelbare Auswirkungen auf die psychische und körperliche Befindlichkeit. Aber nicht auf jedes Trauma muss eine längerfristige Traumastörung folgen. Die individuelle Verletzlichkeit und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen bestimmen mit, ob und in welcher Schwere Symptome auftreten. Nicht jeder Mensch, der einen Anschlag miterlebt hat, benötigt therapeutische Hilfe, aber jeder Betroffene muss die Möglichkeit haben, solche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Das dürfte in Dortmund geschehen sein. Von außen betrachtet hat man den Eindruck, dass den Betroffenen professionelle Hilfe zur Verfügung stand. Aber hätte man sich gegen den neuen Spieltermin der UEFA nicht stärker wehren müssen? Ja, hätte man. Freilich geht es nach ausreichender psychischer Stabilisierung darum, wieder zur Normalität zurückfinden. Zu behaupten, die UEFA wollte das mit dem Spieltermin am Tag nach dem Anschlag bezwecken, ist zynisch. Dieser Artikel ist im Fußballmagazin ballesterer...

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Vitamin C

Posted by on Mai 18, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Wer gut durch die kalte Jahreszeit kommen will, soll Vitamin C zu sich nehmen. Das stimmt grundsätzlich, aber irgendwie auch nicht. Der Panenka Antonin hatte da ein anderes Rezept. Vor knapp 100 Jahren gab es eine beachtete Untersuchung, die empfahl alten Menschen, kein Vitamin C zu geben. Heutzutage werfen sich die Menschen generationenübergreifend Vitaminpräparate in unterschiedlichen Darreichungen ein. Ob Brause, Kapsel, Tablette oder Saft − gemeinsames Ziel ist es, die Gesundheit zu fördern und zu erhalten. Die Präparate suggerieren Vitalität und starke Abwehrkraft. Die Werbung verspricht, dass man durch die Einnahme von zusätzlichen Vitaminen und Spurenelementen etwas für seine Gesundheit tun könne. Besonders gegen Erkältungskrankheiten. Daher biegen sich im Winter die Regale der Apotheken unter der Last der Nahrungsergänzungsmittel. Vitamin C ist fürs Klo Die Gewinnspanne ist bei diesen Produkten für Erzeuger und Verkäufer enorm. Auch Ärzte bieten in ihren Ordinationen diese Produkte an. Das ist erstaunlich, da die Daten den Nutzen von künstlichen Vitaminen im Erkältungsfall nicht belegen. Richtig ist, dass Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden muss, da der Mensch nicht in der Lage ist, es selbst herzustellen. Die Zufuhr muss kontinuierlich erfolgen, da das Vitamin C nicht groß gespeichert werden kann. Bei einem Überangebot verlässt es mit dem Lulu den Körper. Der Großteil des Vitamin C, das Menschen zu sich nehmen, ist also fürs Klo. Auch viele Sportler zeigen eine hohe Bereitschaft, ihre Leistungsfähigkeit mithilfe von Nahrungsergänzungsmittel zu optimieren. Besonders Präparate mit den Vitaminen C und E sind beliebt. Die Mittel, so hoffen die Sportler, sollen ihren Muskelaufbau unterstützen, indem sie schädliche Sauerstoffradikale beseitigen, die beim intensiven Training entstehen. Die Zusammenhänge sind aber komplexer, wie Studien von Wissenschaftlern der Sporthochschule in Oslo zeigen. Bei Sportlern, die ohne die Einnahme von Vitaminpräparaten trainierten, zeigte sich ein stärkerer Trainingseffekt in Bezug auf Muskelaufbau und Ausdauer als bei der Trainingsgruppe, die diese Substanzen künstlich zuführte. Wurst statt Obst? Aber wofür brauchen wir Vitamin C eigentlich? Es ist an vielen Stoffwechselreaktionen wie dem Aufbau von Bindegewebe, Knochen und Knorpeln beteiligt. Es gilt als Antioxidans, hemmt außerdem die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen und kann die Eisenaufnahme verbessern. Ascorbinsäure wird zudem häufig in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt. Sie wird Lebensmitteln zugesetzt, um sie haltbar zu machen und ihre ursprüngliche Farbe zu erhalten. In der Salami sorgt das Antioxidationsmittel für die appetitlich rote Farbe, 100 Gramm Salami enthalten etwa bis zu 50 Milligramm Vitamin C. In einem Apfel mit gleichem Gewicht sind etwa zwölf Milligramm enthalten. Der Panenka Antonin hat das offenbar gewusst, er stärkte seine Abwehrkräfte vor den Spielen mit einer Burenwurst. Mit Vitamin C und dem richtigen Effet hat er dann die Freistöße versenkt, dass es eine Freude war. Dem Baric Otto war das damals nur...

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Vitamin D

Posted by on Mai 18, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Das Vitamin D ist in der Medizin wie die Dreierkette im Fußball. Oder wie der Bart des Breitner Paul. Fragst du mehrere Ärzte, sagt dir ein jeder etwas anderes. Das ist im Allgemeinen schon bekannt und im Speziellen sowieso. So uneinheitlich wie beim Vitamin D ist die Meinung der Mediziner aber selten. Vielleicht noch bei der Frage, ob ein Kreuzbandriss nun operiert gehört oder nicht. Ob man Vitamin D substituiert oder nicht, hängt nicht nur vom Vitamin-D-Spiegel ab, sondern vor allem vom Arzt. Glaubt dieser an die aktuell empfohlenen Grenzwerte, wird er im Fall eines Mangels Vitamin D in Form von Tropfen oder Kapseln verordnen. Glaubt er nicht daran, wird er erklären: „Das mit dem Vitamin D ist wie mit dem Spinat, ein Kommafehler in der wissenschaftlichen Untersuchung.“ Wer schon etwas älter ist oder Geschichte gelernt hat, weiß: Es gibt immer wieder neue Trends, und so manche wiederholen sich. Wie der Vollbart. Der Breitner Paul, keine Frage, extrem lässig damit. Der Burgstaller Guido, na ja. Kaum ein hipper junger Mann, der sich nicht den Flaum stehen lässt, manch einem passt das auch noch. Auch in der Medizin gibt es Trends, die sich im Lauf der Zeit entweder als Fehleinschätzung oder als schon da gewesen herausstellen. Cholesterin unter 200 hieß es lange, heute ist das fast egal. Hauptsache das LDL – kurz für: böser Blutfetteunterwert – ist niedrig. Ähnlich verhält es sich mit dem Body-Mass-Index, der interessiert kaum mehr jemanden, das Bauchfett muss gering sein. Der Blutdruck soll einmal höher einmal niedriger sein – je nach momentaner Studien und Marketingtalent der dazugehörigen Mediziner. Im Fußball ist es ähnlich. Die Union Schwand hat immer schon auf eine Viererkette verzichtet und spielt seit Vereinsgründung 1974 mit drei Verteidigern. Gegen Moldawien wurde uns vom ÖFB das Schwandner System als Neuerung vorgestellt. Vielleicht wird uns in den nächsten Jahren der Libero als Innovation verkauft werden. Aber zurück zur Medizin: Das Vitamin D ist aktuell die Dreierabwehr – oder auch der Vollbart – der Medizin. Kein moderner Arzt, der nicht den Vitamin-D-Spiegel bestimmt. Freunde des Trends Jeder weiß, dass Vitamin D gesund ist. Es wird unter der Einwirkung von Sonnenlicht in der Haut gebildet und in der Leber und Niere aktiviert. Es ist gut für die Knochen. Man gibt es Babys, damit sie keine Rachitis bekommen, und Omas, damit die Osteoporose nicht voranschreitet. Bestimmt schadet es auch dem Immunsystem und der Stimmung nicht, ob es da viel hilft, ist zweifelhaft. In welcher Höhe es im Blut vorhanden sein soll, darum streiten sich die Mediziner. Die einen empfehlen Grenzwerte, bei denen nahezu die gesamte Bevölkerung an Vitamin-D-Mangel leidet. Die anderen meinen, alles sei halb so wild. Wer Fisch und Pilze isst, tut seinem Vitamin-D-Haushalt etwas Gutes....

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Nierenkolik

Posted by on Jan 29, 2016 in Allgemein | Keine Kommentare

Es gibt Dinge, die wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Eine Nierenkolik ist eines davon – weil ur schmerzhaft.   Wo das Wort Kolik vorkommt, ist Schmerz drinnen. Die Darmkolik, die Gallenkolik und – wie Sie gleich näher erfahren werden – die Nierenkolik sind allesamt unleiwande Zustände. Als Kolik werden starke, krampfartige Kontraktionen der glatten Muskulatur bezeichnet. Da sich die glatte Muskulatur nicht willentlich beeinflussen lässt, kann man sich von einer Kolik auch nur schwer entspannen. Autogenes Training, Shiatsu oder Ähnliches sind somit eher wirkungslos.   Krampfartiger Schmerz In der Literatur werden die Schmerzen, die Koliken verursachen, als wehenartig beschrieben – wobei es keinen wissenschaftlichen Nachweis darüber gibt, ob wehende Frauen mit dieser Charakterisierung einverstanden sind. Dem Messi Lionel dürfte diese Klärung auch nicht wichtig gewesen sein, als er kürzlich die FIFA-Klub-WM unterbrechen musste, um sich seiner Nierenkolik zu widmen. Der krampfartige und einseitige Schmerz im Bereich der betroffenen Niere dürfte auch beim Weltfußballer in alle Richtungen am Rücken ausgestrahlt haben. Womöglich kam es dabei auch zu Schweißausbrüchen, Erbrechen und blutigem Harn. So ist es zumindest bei allen anderen Menschen. Und warum sollte es beim Messi anders gewesen sein? Man darf in Bezug auf Schmerzen kein Ranking machen, weil Schmerz etwas Subjektives ist – als Schiedsrichter kann man hierbei nur verlieren. Doch wenn Wikipedia meint: „Eine akute Nierenkolik ist besonders unangenehm und wird oft als eine der stärksten Schmerzempfindungen beschrieben, die Menschen fühlen können“, dann stimmt das mit der Erfahrung der Notfallambulanzmediziner überein. Der Messi konnte einem also leidtun, nicht nur weil er das Halbfinale der sinnlosen FIFA-Klub-WM verpasst hat.   Stein, Gries oder Wurm Die Ursache einer Nierenkolik ist irgendwo zwischen der Niere und der Harnblase zu finden. Bekanntlich hält sich dort der Harnleiter auf, der verstopft oder verlegt werden kann. In der Regel mit Nierensteinen oder Nierengries, extrem selten auch mit einem Nierenwurm. Der Harn kann dann nicht mehr abfließen und staut sich im Nierenbecken, dort steigt der Druck, und das verursacht den Schmerz. In der Therapie wird der Stein entfernt. Entweder geht er nach einer Zeit von alleine ab, oder man zertrümmert ihn von außen, das bezeichnet man dann als Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie. Auch eine Harnleiterspiegelung kann zum Einsatz kommen, bei der der Stein mit einer kleinen Zange entfernt wird. Doch bevor man sich an die Ursachenbekämpfung macht, ist die erste Maßnahme die Schmerztherapie und die Gabe von krampflösenden Medikamenten. So müde kann man im Nachtdienst gar nicht sein, dass man das vergisst. Denn wie gesagt, ein Patient mit einer Nierenkolik ist wirklich arm und hat sehr starke Schmerzen – oft aber nur kurz. Auch dem Messi ist schnell geholfen worden. So schnell, dass er im Finale der sinnlosen Klub-WM schon wieder auflief und ein Tor erzielte....

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Die Essstörung im Sport

Posted by on Mrz 31, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Wenn bei einem Fußballer zu Weihnachten nicht die Gefahr besteht, zu dick zu werden, leidet er vielleicht an der Anorexia athletica. Viele Sportler fasten für den Erfolg und schießen dabei manchmal über das Ziel hinaus. Psychotherapie könnte auch helfen. Zu Weihnachten klagen viele Menschen über eine unerwünschte Gewichtszunahme. Weihnachtsgänse, Kekserl und viele freie Tage schlagen sich auf den Hüften und der Anzeige der Badezimmerwaage nieder. Spätestens zu den Heiligen Drei Königen werden dann Vorsätze zur Mäßigung gefasst. Für manche Sportler ist aber nicht die Völlerei das Problem, sondern die Essstörung Anorexia athletica. Sie wollen durch kontrollierte Gewichtsreduktion ihre Leistungsfähigkeit steigern, wird das übertrieben, kommt es jedoch zum gegenteiligen Effekt. Eine längerfristige negative Energiebilanz hat verschiedene Auswirkungen: Elektrolytstörungen, Haarausfall, Immunschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten, Kreislaufprobleme, erhöhte Knochenbrüchigkeit und hormonelle Störungen sind einige der Folgen. Jugendlichen fehlen die Wachstumshormone, und bei Frauen bleibt die Regelblutung aus. Besonders bei Sportarten, in denen ein schlanker Körper oder ein niedriges Körpergewicht von Vorteil sind, kommen Essstörungen vor. Dazu zählen Turnen, Eiskunstlauf, Skispringen und Langstreckenlauf. In den letzten Jahren hat sich aber auch der Fußball zunehmend zum Laufsport entwickelt, kaum ein Spieler darf ein paar Extrakilo mit sich herumtragen. Noch ist die Anorexia athletica zwar nicht das große Thema im Fußball, aber die Essstörung ist schon längst im Breitensport und im Jugendsport angekommen. Studien zufolge müssen sich besonders Mädchen immer wieder von ihren Trainern anhören, dass sie Gewicht reduzieren sollen – eine heikle Angelegenheit. Noch absurder sind Berichte über sadistische Gewichtskontrollen bei Sportlerinnen vor der versammelten Mannschaft. Es ist wichtig, die Sportler, ihre Angehörige und Trainer durch Aufklärungsmaßnahmen für dieses Thema zu sensibilisieren. Auch für die Behandlungsmöglichkeiten wie etwa PSychotherapie. Aber auch die Sportberichterstatter müssen sich an der Nase nehmen. Wenn zum x-ten Mal über die Figur des Arnautovic Marko gelästert und ihm mangelnde Fitness vorgeworfen wird, erzeugt das ein falsches Körperideal. Kein Mensch kann sagen, wie ein Fußballer auszusehen hat. Wer behauptet, der Arnautovic wäre mit fünf Kilo weniger ein besserer Kicker, hat den Sport nicht verstanden. Der Maradona Diego war der beste Fußballer seiner Zeit – wahrscheinlich sogar aller Zeiten – und entsprach nicht dem heutigen Sportlerideal. Auch der Kreuz Willi, der Ailton und der Engelmaier Thomas waren große Fußballer, aber keine Agentur der Welt hätte einen davon für eine Unterhosenwerbung gecastet. Man kann eben nicht nur trotz einer besonderen Figur, sondern auch wegen eines besonderen Körpers sportliche Höchstleistungen bringen. Lassen Sie sich also die Weihnachtsgans und Kekserl schmecken, die Heiligen Drei Könige kommen früh...

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Platzangst

Posted by on Mrz 6, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Es ist eigentlich ein Missverständnis: Wer im Lift, in der Gondel oder in der U-Bahn panisch reagiert, weil es zu eng wird, hat genau genommen keine Platzangst – obwohl derjenige sagt, in engen Räumen bekomme er Platzangst. Der richtige Ausdruck dafür ist Klaustrophobie, das ist eine Angst vor dem tatsächlichen oder gefühlten Eingesperrtsein. Von Platzangst oder Agoraphobie spricht man bei Befürchtungen, das Haus zu verlassen. Dabei hat man Angst vor großen Plätzen, dem Alleinreisen, öffentlichen Orten oder großen Menschenansammlungen. Letztere waren schon dem Münchner Komiker und Dadaisten Valentin Karl zuwider, wie er bei einem Besuch des Grünwalder Stadions bemerkte, wo er unter Fußballplatzangst litt. Es gibt also Menschen, die können nicht ins Stadion gehen, da sie eine deutliche und anhaltende Furcht vor Menschenansammlungen verspüren. Bei vielen Leuten fällt das aber gar nicht auf, weil sie die unangenehme Situation bewusst vermeiden und den Fußballplatz einfach nicht besuchen. Genug andere Möglichkeiten, Fußball zu konsumieren, stehen inzwischen zur Verfügung: im Fernsehen, früher im Radio und im ballesterer. Das Vermeidungsverhalten macht eine Agoraphobie meist nicht besser. Klar, die Paniksymptome wie Herzrasen, Schwitzen, Mundtrockenheit, Beklemmungsgefühl, Schwindel und die Angst umzukippen treten nicht auf, aber das Fußballmatch kann man dadurch auch nicht vor Ort sehen. Helfen könnte einem dann eine Psychotherapie, aber welcher Fan geht schon gern in eine Psychotherapie? Ärger sind diesbezüglich nur noch die Fußballer selbst. Denn auch diese haben hin und wieder ihre Ängste. Wenn ein Fußballer etwa Angst davor hat, auf den Platz zu laufen und dann seine Leistung nicht abrufen kann, spricht man allerdings nicht von Platzangst sondern von Performanceangst, einer Art Lampenfieber. So ein Lampenfieber ist im Grunde genommen ganz gut. Es erhöht die Anspannung und die Konzentration, der Sportler kommt dadurch besser in die Zone der optimalen Leistungsfähigkeit. Doch zu viel Lampenfieber wird als Angst wahrgenommen und hemmt. Mancher Fußballer hat daher schon seinem Mitspieler zugerufen: „Spiel mich bitte nicht mehr an!“ Doch wer den Ballkontakt vermeidet, wird kein großer Fußballer. Hier wie dort gilt es, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen, um Besserung zu ermöglichen. Psychotherapie kann...

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