Schuldgefühl

Posted by on Apr 4, 2020 in Allgemein | Keine Kommentare

Es wird oft nach einem Schuldigen gesucht. Im Fußball etwa ist nach einer Niederlagenserie der Trainer schuld an der Performance der Mannschaft. Manchmal hat auch der Rasen Schuld an einem schlechten Spiel: Zu sandig, zu hart, zu stumpf oder zu holprig war er dann. Und natürlich haben oft auch die Schiedsrichter Schuld an einem verlorenen Spiel. In einem Unternehmen werden Mitarbeiter entlassen, wenn die Zahlen nicht stimmen. Die Angestellten oder Arbeiter sind schuld, weil sie zu viel kosten. In der Psychiatrie finden wir vor allem Menschen, die von Schuldgefühlen geplagt sind. Das kann so weit gehen, dass sie keinen Ausweg im Leben mehr sehen. Ständiges Grübeln über die Frage, was richtig und was falsch sei, bestimmt das Denken. Einhergehend mit dem Gefühl, schlecht oder minderwertig zu sein. Das Schuldgefühl ist keine eigene Erkrankung, sondern ein Symptom, das bei verschiedenen psychischen Störungen auftritt. So zeigen Personen mit einem an sich stabilen Selbstwertgefühl in depressiven Phasen Selbstzweifel und Schuldgefühle. Die Vergangenheit wird in diesen Phasen oft verzerrt erinnert. Lang vergessen geglaubte und abgehackte Unkorrektheiten tauchen wieder auf und werden nachträglich als kaum zu ertragende Schuld wahrgenommen. Ein nicht gehaltenes Versprechen, eine Untreue und auch frühere Geldschulden können in der Depression zu einem erdrückenden Schuldgefühl werden. Das kann sich bis zu einem ausgesprochenen Wahn steigern. Ein Schuldwahn ist nicht korrigierbar, das Denken ist davon voll und ganz dominiert. Außenstehende können dem Betroffenen noch so glaubwürdig versichern, dass es die Schuld nicht gibt, der Schuldwahnhafte wird ihnen nicht glauben. Er ist der krankhaften Überzeugung, sich versündigt oder etwas Unverzeihliches getan zu haben. Bei einer anderen Form des Wahns, dem Verarmungswahn, gibt es die Überzeugung, nicht genügend finanzielle Mittel zu haben, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Im Sport trifft man auf die Schuld auch über einen anderen Weg, den Perfektionismus. Perfektionistische Menschen haben ein ausgeprägtes Schuldbewusstsein. Der Perfektionismus ist der – angestrengte und dysfunktionale – Versuch, der Schuld zu entkommen. Wenn ich nur alles perfekt und richtig mache, kann mir keiner einen Vorwurf machen. Perfektionistische Trainer, die es in letzter Zeit immer häufiger gibt, bewegen sich durch diese Anspruchshaltung ständig an der Grenze zum Burn-out. Menschen, die frei von Schuld sind, gibt es aber auch. Personen mit einer sogenannten dissozialen Persönlichkeitsstörung zählen dazu. Im zwischenmenschlichen Kontakt fallen sie durch ihre Unzuverlässigkeit auf, sie versuchen, andere Menschen zu manipulieren und auszunutzen. Es fehlt ihnen an Schuld- und Unrechtsbewusstsein, aber auch an der Fähigkeit, aus negativer Erfahrung zu...

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Zwangsstörung

Posted by on Apr 4, 2020 in Allgemein | Keine Kommentare

Der Haaland Erling hat keinen Zwang, der Beckham David wahrscheinlich schon und der Monk Adrian ganz sichern. Im Fußball kommen Zwangsstörungen selten vor, aber doch. Der Beckham David soll einen eigenen Kühlschrank nur für Getränke haben, und diese müssen symmetrisch angeordnet sein. „Wenn es drei Dosen gibt, schmeißt David eine weg, weil es eine gerade Zahl sein muss“, sagt die Beckham Victoria. Glaubt man der Schilderung seiner Frau, dürfte es sich beim Beckham David um einen Symmetriezwängler handeln. Trotzdem war er ein richtig guter Fußballer. Die Zwangserkrankung hat demnach sein Leben nicht vollkommen in Beschlag genommen. Vom Haaland Erling Braut hieß es vor seinem Debüt bei der Dortmunder Borussia, er habe einen Zwang, Tore zu schießen. Obgleich er mit dem zweiten Ballkontakt gegen Augsburg traf und dann noch zwei Tore nachlegte, kann man hierbei nicht von einer Zwangsstörung sprechen. Ein Zwang wird von dem Betroffenen als unangenehm, unsinnig und übertrieben bewertet. Zwänge machen dem Betroffenen keinen Spaß. Der Haaland hat viel Spaß beim Toreschießen, das merkt ein jeder. Eine Zwangsstörung kann viele Gesichter haben. Gemeinsam ist allen Zwängen, dass sie sehr zeitaufwendig sind und sowohl den Alltag als auch die Lebensqualität beeinträchtigen. Wesentliche Kennzeichen von Zwangsstörungen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind sich wiederholende, aufdrängende Gedanken die als unsinnig oder gar persönlichkeitsfremd bewertet werden. Es ist kaum möglich, sie zu ignorieren oder ihnen Widerstand zu leisten. Zu den häufigsten Zwangsgedanken gehören solche mit aggressiven Inhalten wie etwa jemanden anderen zu verletzen, vor den einfahrenden Zug oder aus dem Fenster zu springen, jemandem den Tod zu wünschen, jemanden sexuell zu belästigen. Solche Gedanken kommen bei 90 Prozent aller Menschen von Zeit zu Zeit vor. Doch Gesunde messen den aufdringlichen Gedanken keine besonders Bedeutung zu und können sie loslassen.   Zwangshandlungen wiederum dienen der Reduktion von Unruhe, Anspannung oder sollen das Eintreten eines gefürchteten Ereignisses verhindern. Außerdem leiden manche Betroffene an einem Unvollständigkeitsgefühl, wenn eine bestimmte Handlung nicht ausgeführt wird. Die häufigsten Zwangshandlungen sind Wasch- und Kontrollzwänge. Von einem Waschzwang betroffene Menschen reinigen sich mitunter stundenlang am Tag die Hände. Die Hände sind dann entsprechend in Mitleidenschaft gezogen – gerötet und rissig. Kontrollzwänge betreffen meist das Überprüfen von Türschlössern und elektrischen Geräten wie Herd und Bügeleisen. Ein zentrales Merkmal einer Zwangsstörung ist, dass der Betroffene weiß, dass das, was er gerade denkt und tut, unsinnig ist. Er kann sich aber nicht dagegen wehren und ist buchstäblich gezwungen, diesen Unsinn zu machen. Die gute Nachricht ist: Man kann etwas dagegen tun. Die Verhaltenstherapie ist die wirksamste Behandlungsform gegen Zwänge, manchmal in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung. Der Haaland Erling braucht kein Medikament, der Beckham David wahrscheinlich auch nicht, und der Monk Adrian ist zum Glück nur eine Erfindung. Dieser Text ist...

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Die Verbitterung (s) störung

Posted by on Jun 25, 2019 in Allgemein | Keine Kommentare

Wer sein Herz allzu sehr an den Fußball hängt, läuft Gefahr, verbittert zu werden. Die Verbitterung ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern kann sich zu einer handfesten Störung auswachsen. Spieler, Trainer und Fans sind gleichermaßen davon betroffen. Es gibt Menschen, die lassen nach einer Entlassung kein gutes Haar an ihrem vormaligen Arbeitgeber, zeigen kein Verständnis für die Kündigung und reagieren frustriert und verärgert. Manche legen Listen vor, mit denen sie quasi beweisen wollen, dass die Entlassung ungerechtfertigt war. So entstand etwa die „Schoko-Tabelle“. Zur Erinnerung: Der Schachner Walter wurde vom Daum Christoph abgelöst, obwohl er mit der Wiener Austria kein einziges Spiel verloren hatte. Der Schachner führte daraufhin die Punkte an, die er mit der Wiener Austria und dem Grazer AK erreicht hatte, um auf die unglaubliche Entlassung hinzuweisen. Verletzte Annahmen Man sieht an diesem Beispiel: Verbitterung kann auch positive Kräfte entfalten. Denn in der Saison 2002/03 sammelte Schachner als Trainer mehr Punkte als der Meister Austria. Der Rachefeldzug ging aber noch weiter. In der darauffolgenden Saison wurde der Schachner mit dem GAK Meister und Cupsieger. Jeweils vor der Austria. Nicht alle Menschen können ihre Enttäuschung über empfundenes Unrecht in Erfolg umwandeln. Im März 2002 wurde der Ratajczyk Krzysztof auf der Hütteldorfer Straße verprügelt, nachdem er von der Rapid zur Austria gewechselt war. Hintergrund war wohl Verbitterung über den Transfer. Immer dann, wenn Grundannahmen von Menschen verletzt werden, kann es dazu kommen. Verbitterung ist ein Gefühl, das jeder kennt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Aggression und Resignation. Sie zeigt sich als Reaktion auf Ungerechtigkeit, Kränkung und Herabwürdigung. Studien belegen, dass etwa die Hälfte der Menschen im vergangenen Jahr eine Phase von Verbitterung erlebt hat. Verbitterung ist also ein normales Gefühl. Wie bei der Angst oder der Panik kann diese Emotion aber zu stark werden und Probleme verursachen.   Umdenken statt Rächen Verbitterte Mensch können nur schwer auf andere Gedanken kommen, sie sind in der Vergangenheit verhaftet. Sie haben eine klare Vorstellung, was zu geschehen hätte, damit Gerechtigkeit wiederhergestellt wird. Ein starkes Verlangen nach Genugtuung kann den Betroffenen dazu treiben, sich für das erlittene Unrecht zu rächen. Gewaltfantasien sind nicht selten. Und manchmal werden sie auch umgesetzt: Menschen zünden nach Entlassungen die Fabrik des ehemaligen Arbeitgebers an oder ermorden nach Trennungen ihre Ex-Partnerin. Aus der Verbitterung wieder herauszukommen, ist nicht einfach. Vor allem weil der Betroffene nicht sich selbst als Teil des Problems sieht, sondern das erlebte Unrecht. Bei einer Verbitterung kann meist nicht erkannt werden, dass das Problem das innere Erleben und das Verharren in dem Gefühl ist. In der psychotherapeutischen Arbeit wird versucht, an einer Problem- und Anspruchsrelativierung zu arbeiten. Vereinfacht gesagt: Die eigenen Probleme sind oft nicht so wichtig, wie man glaubt. Außerdem...

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Die sportliche Identität

Posted by on Jun 25, 2019 in Allgemein | Keine Kommentare

Der Mensch braucht eine Identität. Manche sehen sich als Dancing Star, andere als Bundeskanzler, und viele Fußballer sehen sich als Fußballer. Eine ausgeprägte sportliche Identität hat nicht immer ausschließlich Vorteile. Identität kann man schwer erklären. Es gibt hunderte Definitionen, und jeder Mensch hat wohl auch noch seine ganz private Erklärung des Begriffs. Vereinfacht gesagt geht es um das Bewusstsein, ein unverwechselbares Individuum zu sein und eine eigene Geschichte zu haben. Darum, gewissermaßen konsequent zu handeln und um das Gleichgewicht zwischen sozialen Erwartungen und eigenen Ansprüchen. Wer bin ich? Als Psychiater erkundigt man sich nach der Identität eines Menschen, indem man fragt: „Wer sind sie?“, „Beschreiben Sie sich selbst.“, „Was macht Sie aus?“ Bei manchen Menschen ergibt sich daraus ein buntes Bild an Interessen, Stärken, Beziehungen und Einstellungen. Anderen fällt auf diese Fragen nicht viel ein. Sportler mit einer hohen sportlichen Identität berichten einem, dass sie sich als Sportler sehen und Sport der wichtigste Teil ihres Lebens sei. Ihre Stimmung hänge von der sportlichen Leistung ab. Das Leben drehe sich auch gedanklich um den Sport, und die meisten sozialen Kontakte hätten irgendetwas mit der Sportausübung zu tun. Eine hohe sportliche Identität hat Vorteile. Diese Menschen haben Sicherheit in sich selbst, sie sind meist selbstdiszipliniert, wirken selbstbewusst in sozialen Kontakten und sind engagiert im Training. Wer sich vornehmlich als Sportler sieht, kommt jedoch nur schwer auf die Idee, einen Plan B für sein Leben zu entwickeln. Selten stellen professionelle Sportler Überlegungen an, wie die Zeit nach der Karriere beruflich aussehen könnte. Das kann zu einem unliebsamen Erwachen in der Sportlerpension führen. Denn eines steht fest: Jeder Sportler muss irgendwann seine Karriere beenden. Bei Fußballern ist es häufig mit Mitte 30, bei Bodenturnerinnen zwischen dem 16. bis 20. Lebensjahr, und Turnierreiter können bis zum 60. Lebensjahr ihren Sport ausüben. Pensionsängste Je stärker die sportliche Identität ausgeprägt ist, umso schwerer fällt es den Athleten, in die Sportlerpension zu gehen und umso häufiger entwickeln sich dann im Ruhestand Depressionen und Angsterkrankungen. Das Maß der Sportleridentität hängt auch mit der Wahrscheinlichkeit zusammen, nach einer längeren Verletzung psychische Probleme zu entwickeln. Außerdem greifen jene Sportler mit einer ausgeprägten sportlichen Identität schneller zu leistungssteigernden Substanzen. Die höhere Bereitschaft zum Doping wurde im Rahmen einer Studie der Universität Leipzig an über 400 Elitenachwuchssportlern erforscht. Wenn für einen Menschen Sport alles im Leben ist, setzt er auch alles daran, Erfolg zu haben. Mit legalen und mitunter unlauteren Mitteln. Entscheidend ist es, neben der sportlichen Identität auch andere identitätsstiftende Seiten zu entwickeln. Das beginnt am besten schon früh. Die Eltern können dabei helfen und dem Kind klarmachen, dass es nicht alles auf eine Karte setzen soll. Man kann ja immer noch Dancing Star oder Bundeskanzler...

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Die Spiegelneuronen

Posted by on Feb 8, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Ihre Entdeckung ist einem Affen zu verdanken, ihre Bedeutung für den Fußball grundlegend. Denn ohne Spiegelneurone ist kein Spiel zu gewinnen, und im Stadion wäre es fad. Gähnen ist ansteckend. Lächeln auch. Wenn einem jemand charmant zulächelt, kann man sich nur schwer dagegen wehren zurückzulächeln. Es sei denn, man heißt Mourinho Jose oder ist auf irgendeine andere Art auf cool oder „Leck mich doch am Arsch“ programmiert. Der Zurücklächeleffekt wird den Spiegelneuronen zugeschrieben. Dabei handelt es sich um Nervenzellen im Gehirn, die beim Beobachten einer Handlung das gleiche Aktivitätsmuster zeigen, wie wenn diese Handlung selbst ausgeführt wird. Lernen durch Nachahmen Entdeckt wurden die Spiegelneuronen in Parma. Der Rizzolatti Giacomo fand 1992 bei Versuchen mit Affen heraus, dass sich in einem bestimmten Hirnareal neuronale Aktivität nachweisen lässt, wenn der Affe die Bewegung ausführt oder sie bei jemand anderem sieht. Es war eine Zufallsentdeckung: So blinkte es im Hirnareal des Affen, als ein Forscher nach einer Nuss griff und der Affe ruhig danebenstand. Ähnlich ist es beim Fußball. Wenn wir als beobachtende Affen, sprich Fans, den Profis bei der Arbeit zusehen, funkt es in unseren motorischen Arealen. Sportpsychologen glauben, dass es durch das bloße Zuschauen eines Fußballspiels schon zu einem Lerneffekt, dem observativen Lernen, kommt. In diesem Sinne profitieren auch junge Kicker davon, wenn Trainer mit feiner Technik die Übungen vorzeigen und erfahrene Mitspieler mit hoher Qualität im Kader stehen. Das System der Spiegelneurone habe auch einen Anteil daran, dass Fans, die selbst Fußball spielen, ein Spiel besser lesen könnten. „Studien haben gezeigt, dass sie während des Spiels die Aktionen besser vorhersagen können“, sagt Valenti Ornella von der Medizinischen Universität Wien. „Dabei feuern die Spiegelneurone mehr als bei anderen, die weniger vom Fußball verstehen.“ Ansteckung mit Freud und Leid Außerdem seien Spiegelneurone auch am Mitfiebern während eines Fußballspiels beteiligt. „Alle Aktionen, die wir bei einem anderen Menschen beobachten, können eine Art ansteckende Wirkung haben“, sagt der Bauer Joachim, ein Neurobiologe von der Universität Freiburg. Denn neben Spiegelneuronen, die auf motorischer Ebene funken, gibt es auch Spiegelneurone, die auf der Ebene des Empfindens Signale abgeben. So ist es zu erklären, dass gute Laune, Begeisterung und Freude ansteckend sind. Es funktioniert aber auch umgekehrt. So spüren wir Schmerz, wenn sich ein Spieler auf dem Feld verletzt. Vielleicht sind die Spiegelneurone auch dafür zuständig, dass wir zu wissen meinen, ob sich ein Spieler nun wirklich verletzt hat oder nur so tut als ob. Durch Spiegelphänomene können wir beobachtete Teile einer Szene zu einer wahrscheinlich zu erwartenden Gesamtsequenz vervollständigen, sagt Bauer. Sie sind also für intuitive Ahnungen verantwortlich. Wie wichtig dieses intuitive Verständnis ist, zeigt sich im Fußball. Die Bewegungen der Mitspieler zu kennen und vorauszuahnen, ist Grundlage eines gelingenden Spiels. Wo das gegenseitige Verständnis...

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Der Pensionsschock

Posted by on Feb 8, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Zu Weihnachten denkt man auch an die Armen. Viele Profifußballer sind nach dem Ende ihrer Karriere sehr arm, emotional und finanziell. Das Christkind kann dabei nicht helfen, vielleicht aber Aufklärung. Das Christkind wird vielerorts vom Weihnachtsmann in Pension geschickt. Wie es ihm damit geht, weiß keiner. Fußballern geht es nach Ende ihrer Karriere oftmals mies. Dem Ruhm, dem Geld und der Ehre folgen Verarmung, Depressionen und Suchtprobleme. So haben etwa ein Drittel aller Profifußballer zwei Jahre nach dem Ende ihrer aktiven Karriere ihr ganzes Geld durchgebracht. Das sagen Untersuchungen, die im englischen Fußball durchgeführt wurden. In der NFL verhält es sich ähnlich, 50 Prozent der American-Football-Profis sind fünf Jahre nach der Sportlerpension pleite. Die Zahlen hierzulande werden jenen aus England und den USA ähneln. Depressiv, verarmt, einsam Neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommt es oft auch zu ausgeprägten psychischen Problemen. Ein Drittel der Sportler reagiert mit Depressionen oder Angststörungen auf das Karriereende. Ein gängiges Mittel, Depressionen und Ängste selbst zu behandeln, ist der Konsum von Alkohol oder Drogen. Das hilft zwar hervorragend für den Moment, erzeugt aber neue Probleme. Außerdem leiden manche Sportler nach der Karriere an chronischen körperlichen Beschwerden, die die Stimmungslage beeinflussen. Wer nun auf die liebevolle und fürsorgliche Unterstützung seiner Partnerin hofft, wird nicht selten enttäuscht. Denn die Spielerfrauen verabschieden sich mitunter recht schnell von ihren Männern. Die Scheidungsrate im ersten Jahr nach der Fußballerpension liegt bei 30 Prozent. Depressiv, verarmt und einsam. Ein trauriges Bild. Wer ist daran schuld? Der Sportler, der Verein oder die Sportpolitik? Keiner oder alle ein bisschen, könnte man sagen. Fehlende Verantwortung In erster Linie hat natürlich der Fußballer die Verantwortung dafür, sein Leben zu meistern und sich auf das Leben nach der Karriere vorzubereiten. Andererseits tragen der Verein und das System Profifußball viel dazu bei, dass Sportlern jede Verantwortung abseits des Platzes abgenommen wird. Wohnungen werden gemietet, Koffer gepackt und Fußballschuhe geputzt. Teamsekretäre kümmern sich um die unangenehme Bürokratie, öffnen und beantworten für die Sportler Briefe von Banken und Versicherungen. Aufgrund des engen Trainings- und Spielplans ist das ganze Jahr durchgetaktet. Dem Spieler wird viel, wahrscheinlich zu viel abgenommen. Der Beruf ist außerdem so identitätsstiftend, dass neben dem Fußballer-Ich kaum andere Facetten des Selbst entwickelt werden. Wozu auch? Mehr Satisfaktion wird ein junger Mensch an kaum einem anderen Ort bekommen als auf dem Fußballplatz, wo ihm tausende Menschen bei der Ausübung der Arbeit zujubeln. Es geht aber nicht nur um Erfolg, sondern auch um die Persönlichkeitsentwicklung. Das gilt es schon während der aktiven Karriere zu berücksichtigen. Sonst gehen nach dem Schlusspfiff nicht nur die Flutlichter, sondern auch die Lebenslichter aus. Das wünschen wir freilich niemandem, schon gar nicht zu Weihnachten. Egal, ob jetzt das Christkind oder der Weihnachtsmann...

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